English conversation – yes, please!

Kaiserwerther Kindergarten macht es möglich

Immer am letzten Donnerstag im Monat ist es soweit: Der Kindergarten der Kaiserswerther Diakonie in der Fliednerstraße/Düsseldorf lädt ein: Zum englischen Konversationscafe.

Gesprochen wird Englisch. Ausflüge ins Deutsche sind erlaubt, aber nur, wenn es mit den englischen Vokabeln so gar nicht klappen will. „Unser Anspruch ist aber schon, dass möglichst nur Englisch gesprochen wird“, erklärt Claudia Filitz, gelernte Erzieherin. Sie ist im Kindergarten immer dann im Einsatz, wenn es ums Thema „Zwei- und Mehrsprachigkeit“ geht und koordiniert die bilingualen Aktivitäten.

Konversationscafe setzt Schwerpunkte

Normalerweise steht beim gemeinsamen englischen Plauschen ein Thema im Mittelpunkt: So ging es schon mal um den Mittleren Westen Amerikas oder um Thanksgiving oder ganz allgemein um Schottland. Die englischsprachigen Kindergartenkräfte machten dabei die nicht immer einfache Erfahrung, dass sie unversehens als Expertinnen ihres Heimatlandes betrachtet und befragt wurden. Egal, ob Kultur, Politik oder - ganz allgemein – Landeskunde, es wurde und wird sehr detailliert nachgefragt. „Jesus, als es um Schottland ging, bin ich ganz schön ins Schwitzen geraten,“ erinnert sich Glenda Attwood. „Denn ein Vater wollte Alles ganz genau über die schottische Politik wissen und weiß ich nicht so genau Bescheid.“ Zwar ist sie jedes Jahr in Schottland, besitzt auch nach wie vor den britischen Pass, aber ihr Lebensmittelpunkt liegt seit 27 Jahren in Deutschland.

Einmal um die Welt: Philippinen – U.S.A. - Deutschland

Beim aktuellen (28. 2. 2008) Treffen aber steht kein bestimmtes Thema, sondern eine Person im Mittelpunkt: Maria Lim-Khalil, einer der vier bilingualen Kräfte des Kindergartens, ist zum ersten Mal dabei und erzählt, wie sie von den Philippinen in die U.S.A. und von dort aus nach Düsseldorf in den Kaiserswerther Kindergarten kam. „Ich bin nicht von Haus aus Erzieherin“, erklärt die zierliche Frau in englischer Sprache. Zwar besitzt sie ein Montessori-Diplom, aber ursprünglich hat sie in Amerika im Management eines Kaufhauses gearbeitet. In den U.S.A. ist ein solcher Wechsel der Profession keine Seltenheit und wird einem – so empfindet es Maria Lim-Khalil – auch leichter gemacht als in Deutschland.

An diesem Morgen ist es kleiner Kreis, der beim gemeinsamen Frühstück ihrer Geschichte lauscht: Neben Glenda Attwood sind noch zwei Mütter aus dem Kindergarten mit dabei, beide mit Auslandserfahrung: Anna Herp und Christiane Dietrich. Immer wieder wird nachgehakt und diskutiert – kein Wunder, fordert doch Lim-Kahlils weltumspannende Biografie Fragen geradezu heraus. Auch eine Kindergarten-Fremde sitzt an diesem Morgen zum ersten Mal mit am Tisch: Iris Schramm. Sie hat aus dem Kirchenblatt von dem englischen Konversationscafe erfahren, das seit Februar 2008 auch interessierten Gemeindemitgliedern offen steht. „Ich hatte Englisch nur in der Schule,“ erklärt die ältere Dame. Jetzt will sie ihre Sprachkenntnisse aus familiären Gründen auffrischen: „Meine Tochter lebt jetzt in Sydney. Auch mein Enkelkind wächst dort auf. Und ich will mich dort doch gut verständigen können,“ so die Mit-Sechzigerin über ihre bilingualen Beweggründe.

Cafe ist auch Kontakt- und Informationsbörse

An ihrer Person zeigt sich ein weiterer Vorteil des Konversationscafes: Angebot und Nachfrage finden hier unkompliziert zusammen: Anna Herp gibt privat Englischstunden, Iris Schramm braucht welche. Flugs werden im Anschluss an das Frühstück Adressen und Telefonnummern ausgetauscht, ein erstes Treffen wird ins Auge gefasst. Und gratis gibt es noch Tipps hinzu: „Es gibt hier in Düsseldorf auch den American Women`s Club ,“ erzählt Anna Herp. „ Da kann man, glaube ich, als Aussenstehender auch an den Treffen teilnehmen und einfach mal sein Englisch ausprobieren.“

Cafe-Plus: Entspannte Atmosphäre

Gegen Ende des Frühstücks wird es privater. Da werden bei Brötchen, Tee und Kaffee auch mal ganz entspannt kleinere Kinder(garten)-Probleme angesprochen. Und die Native Speaker suchen Hilfe bei ihren Alltagssorgen: Gibt es Möglichkeiten sich als bilinguale Ergängzungskraft weiterzubilden? - Was kann man machen, wenn man beim Streitschlichten auf Englisch an seine Grenzen stößt? - Warum ist es so schwer, sich seine Ausbildung in Deutschland anerkennen zu lassen? etc.

Englische Konversation – ein Erfolgsmodell

„Das Cafe wird sehr gut angenommen“, bestätigt Claudia Filitz im Anschluss an das Frühstück. „Heute war es zwar ein kleiner Kreis, aber es sind auch schon mal bis zu 14 Personen gewesen, je nach dem, wie die Leute Zeit haben.“ Zwei Euro kostet die Teilnahme, so werden die Unkosten fürs Essen gedeckt. Mit der Öffnung nach außen betritt der Kindergarten jetzt neues Terrain: Zum einen präsentiert er so auf unkomplizierte Weise sein bilinguales Angebot der Öffentlichkeit, gleichzeitig gibt es die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen. „Ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt“, sagt Claudia Filitz. Wer es selber rausfinden will, sollte vorbeikommen. Zum nächsten englischen Konversationscafe am Ende März 2008.

Stand: März 2008

Christine Denda besuchte für die Gingko-Foundation das englische Konversationscafe in der Kita Fliednerstraße, Düsseldorf-Kaiserswerth .

[Download:Konversationscafe]

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