Englisch im Einsatz
Der bilinguale Kindergarten in Kaiserswerth
Seit knapp einem Jahr arbeitet der Evangelische Kindergarten in Kaiserswerth
bilingual: Vier englischsprachige Ergänzungskräfte wurden eingestellt,
drei davon sind in der Kita in der Fliednerstraße beschäftigt. Christine
Denda hat sie besucht.
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| Donnerstag Morgen, 9 Uhr: Mackenzie Doyle ruft zum Stuhlkreis: „Good morning, good morning and how do you do?“ Gemeinsam mit dem deutschsprachigen Gruppenleiter betreut die Amerikanerin 15 Kinder. „Ich habe hier keine Sonderstellung,“ erklärt sie auf Englisch. „Ich gestalte den Tag genau so wie mein Kollege, nur eben auf Englisch.“ Ursprünglich stammt die 27-Jährige aus Minneapolis in Minnesota. Nach der Schule studierte sie dort Musik und Russisch. „Ich habe auch ein Jahr in Russland gelebt“, erzählt die Weitgereiste. Dort wäre sie gerne noch länger geblieben, aber dann kam sie über Kontakte ihrer Mutter nach Deutschland und schließ-lich nach Düsseldorf. Hier arbeitete sie zunächst zweieinhalb Jahre als bilinguale Kraft in der Elterninitiative „Zaunkönige“, bis sie im Radio den Aufruf des Kaiserswerther Kindergartens hörte. So fand sie zu ihrer neuen Aufgabe und ist jetzt seit fast ein Jahr dabei. |
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Englisch ist mittlerweile Alltag Dass die englische Sprache für die Kinder mittlerweile ganz selbstverständlich ist, wird während des Stuhlkreises deutlich. Mackenzie Doyle spricht und fragt auf Englisch, die Drei- bis Fünfjährigen antworten auf Deutsch oder Denglisch (Deutsch-Englisch-Mix): „What do we do on thursday?“ - Selbstbewusst ergreift Konstantin das Wort: „Wir haben calendar duty - Kalender Pflicht.“ Das ist an diesem Tag Simons Aufgabe. Eifrig kramt er in einem Korb nach dem Schild mit der richtigen Tagesbezeichnung, um ihn ans Magnetbrett zu heften. Mit fragendem Gesichtsausdruck präsentiert er das erste Schild. Mackenzie Doyle schüttelt den Kopf: „No, that`s not right.“ „Das ist doch monday,“ ruft Klara dazwischen. Ein zweiter Griff, diesmal hält er den tuesday – Dienstag in der Hand. Simon muss noch einige Male in den Korb greifen, bis er „thursday“ erwischt hat, aber die anderen Kindern stehen ihm auf Denglisch bei, Mackenzie Doyle spricht ihm auf Englisch Mut zu. |
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Bilinguale Kräfte sind Quereinsteiger Später wird reihum singend nachgefragt, wer alles da ist und wer heute fehlt - (Konstantin, are you here? - Yes, I am“), anschließend darf gefrühstückt werden. „Ich mag Englisch, das klingt so lustig“, erklärt der kleine Filu und Klara findet Englisch schön, aber dann ist der Müsliriegel des Tischnachbarn interessanter, als die langweiligen Fragen der Reporterin. Weiter geht es mit der nächsten Gruppe. Hier ist Glenda Attwood im Einsatz. „Ich bin zwar in Deutschland geboren, habe aber einen britischen Pass. Mein Vater war Soldat bei der Rheinarmee, so kam das“, erklärt sie im Gespräch. Später hat sie in England, Schottland und wieder in Deutschland gelebt. Und ebenso wie ihre bilingualen Kolleginnen ist sie Quereinsteigerin bei der Kindergartenarbeit. „Ursprünglich habe ich viel in der Grundschule gearbeitet und dort Englischunterricht in Form einer AG gegeben“, erzählt sie. Sie sei da einfach ins kalte Wasser gesprungen und habe sich auch viel selber beigebracht, Materialien im Internet gesucht, sich viel von den Lehrern abgeguckt. „Learning by doing“, erklärt sie lächelnd. Eines Tages habe sie von Kaiserswerth gehört, „and here I am“. Auch in dieser Gruppe reagieren die Kinder ganz selbstverständlich auf die englische Sprache. Ein Junge spricht Glenda sogar auf Englisch an. „Der Kleine wird zweisprachig aufgezogen“, antwortet sie auf meine Nachfrage. Insgesamt gibt es fünf bilinguale (deutsch-englisch) Kinder in der Kita, was den englischsprachigen Input noch verstärkt. Dann kommt der kleine Jan mit seiner Zahnbürste hereingefegt:„Kann ich tooth paste, please?“ Hannah dagegen ist bereits fertig mit dieser lästigen Morgenroutine und erklärt auf Frau Attwoods Nachfrage:“Yes, I`m finished.“ |
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Kinder profitieren von der bilingualen Arbeit
Auch die Eltern freuen sich über den Erfolg des bilingualen Konzeptes der Kita. „ Ich finde das enorm, was die Kinder alles so nebenbei mitbekommen“, erzählt Heike Walter. „Mein Tochter Nele übersetzt zum Beispiel meiner zweiten Tochter, die jetzt in die sechste Klasse geht, manchmal ganze Sätze vom Deutschen ins Englische und umgekehrt.“ Glenda Attwood freuen solche Erfolge und ihre Arbeit macht ihr Spaß. Aber einen Wunsch teilt sie mit ihren bilingualen Kolleginnen: „Ich fände es toll, wenn wir als bilinguale Kräfte die Möglichkeit hätten, uns unkompliziert weiterzubilden und als Erzieher anerkennen zu lassen.“ Zum einen hätten die bilingualen Kräfte auf diese Weise eine vorzeigbare Weiterqualifizierung durch die Arbeit in der Kita, zum anderen hat dieser Wunsch auch einen finanziellen Hintergrund: Erzieherinnen werden besser bezahlt, als Ergänzungskräfte. Dritte im Bunde der „Bilis“ an der Fliednerstraße ist Gigi Busch. Die 53-jährige stammt aus Huntsville, Alabama. „Ich bin selber bilingual aufgewachsen“, erklärt sie. Ihre Eltern sind 1948 aus Deutschland in die U.S. A. ausgewandert. „Mein Vater war in der Raketenforschung tätig und zählte mit zu der Forschergruppe um Wernher von Braun, so die Deutsch-Amerikanerin. Als 18-Jährige kam sie nach Europa, um die „Alte Welt“ und natürlich auch Deutschland besser kennen zu lernen. „Und da habe ich in Krefeld, wo meine Großeltern lebten, meinen späteren Mann zum ersten Mal getroffen.“ Und so erfolgte wenig später aus Liebe die Wieder-Einwanderung nach Deutschland. |
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Einzelne Kinder benutzen Englisch auch aktiv Auch Gigi Busch hat vor ihrer Beschäftigung im Kindergarten viel in der Schule gearbeitet. „Aber die Arbeit in der Kita mit den kleineren Kindern, die hier ganz unbefangen in Kontakt mit der englischen Sprache kommen, war immer ein Wunsch von mir“, bekennt sie. Es macht ihr Freude mit den Drei- bis Sechsjährigen zusammen zu sein. Und während wir am Tisch sitzen, bleibt sie in Gespräch mit den Steppkes. „Gigi, ich will in der Halle spielen“, sagt ein kleines Mädchen. „Okay, but clean up first“. Ein anderes Kind zeigt ihr sein Kunstwerk: „Very nice“, bewundert Gigi Busch das Bild, „but tell me, what colour is this?“ - „Blue“, lautet die prompte Antwort. Ein besonderes Beispiel aber ist die kleine Charlotte. Sie kommt herein gestürmt und verkündet: „Nobody is eating the apples.“ Charlotte stammt nicht aus einer bilingualen Familie.„Aber sie reagiert wirklich besonders intensiv auf das englische Sprachangebot“, freut sich Gigi Busch. „Wenn sie mit mir spricht, dann kaum noch in rein deutschen Sätzen und neuerdings fängt sie schon mit der ing-Form an, baut eigenständig Sätze.“ |
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Bilinguale Arbeit lässt Anmeldezahlen steigen Warum die einen Kinder das Englische aufsaugen, aber nicht sprechen, andere wiederum bereits anfangen auf Englisch zu plappern – das weiß Gigi Busch nicht, sie freut sich einfach über den Erfolg. „Letztlich ist das auch nicht so wichtig“, sagt Leiterin Gabriele Walden später im Gespräch. „ Es geht uns mit der bilingualen Arbeit nicht um abfragbare Leistung, sondern mehr um Kulturvermittlung.“ So werden die Jahresthemen des Kindergartens „Bewegung“ und „Gesunde Ernährung“ auch auf Englisch besprochen und, wenn möglich, mit Beispielen aus dem anglophonen Kulturkreis (Thanksgiving etc.) ausgestaltet. So sollen die Kinder Freude an der Begegnung mit dem Fremden, der fremden Sprache bekommen. „Das passt auch zu unserem evangelischen Hintergrund“, findet Gabriele Walden. Es dürfe nicht vergessen werden, dass die bilinguale Arbeit nur eines von vielen Angeboten in der Kita sei. Der Kaiserswerther Mix jedenfalls scheint zu stimmen: Denn mit Beginn der bilingualen Kita-Arbeit, sind auch die Anmeldungszahlen gestiegen. |
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Stand: März 2008 Christine Denda hospitierte in der Evangelischen Tagesstätte Fliednerstraße in Düsseldorf-Kaiserswerth für die Gingko-Foundation. [Mehr Wissenwertes]
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