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„ Unter dem Regenbogen“ wird Englisch gesprochen

Düsseldorf- Lohhausen: Im Fünf-Minuten-Takt düsen hier die Flugzeuge ab in ferne Länder: Dorthin, wo Spanisch, Französisch oder Englisch gesprochen wird. Englisch, das steht auch in der Evangelischen Kita „Unter dem Regenbogen“ an der Niederrheinstrasse auf dem Programm: Immer Dienstags, in der Zeit von 9.30 Uhr bis 12.00 Uhr. Dann holt Anuschka Gresbek die Kinder ab zum Englisch-Projekt: Zuerst die Kleinen im Alter von drei Jahren, dann die Mittleren von vier bis fünf und schließlich die Sechsjährigen.

Anuschka Gresbek selbst ist dreisprachig aufgewachsen: Zunächst deutsch und persisch erzogen, kam später noch die englische Sprache hinzu. „Ein Großteil meiner Verwandtschaft lebt in den USA, da hat sich das ganz natürlich ergeben“, sagt die 40-Jährige. Auch im eigenen Haushalt ist neben Deutsch das Englische präsent. „Mein Mann ist zwar Deutscher, aber in Südafrika aufgewachsen und dort auf eine englischsprachige Schule gegangen“, erzählt Anuschka Gresbek. So lag der Entschluss nahe, die beiden eigenen Kinder bilingual zu erziehen. „Wobei wir beide Sprache benutzen und vom Englischen ins Deutsche und umgekehrt springen,“ so Gresbek. Ihr multilingualer Familienhintergrund brachte die ausgebildete Erzieherin auf die Idee, Englisch im Kindergarten anzubieten. Ihr damaliger bayrischer Arbeitgeber fand die Idee gut, und so gestaltete Anuschka Gresbek dort bereits zwei Jahre lang ein englisches Angebot.

Mittendrin statt nur dabei: Anuschka Gresbek.© by Tina Denda.

Erzieherin arbeitet nicht immersiv

Der Beruf ihres Mannes habe sie ins Rheinland verschlagen, erklärt Gresbek. In der Kita 'Unterm Regenbogen' fand sie schnell eine neue Stelle und mit Ulrike Krämer eine engagierte Kindergarten-Leiterin, die vorhatte, das existierende Englisch-Angebot in der Kita auszubauen. So profitieren jetzt alle Kinder der evangelischen Tagesstätte vom Englischprojekt, und die Eltern müssen nicht – wie beim Nachmittagsangebot – zusätzliches Geld dafür bezahlen. Mit viel Fantasie bringt Anuschka Gresbek den Kindern das englische Idiom näher. Dabei wird allerdings nicht immersiv gearbeitet. Die Steppkes zwischen drei (manchmal auch zwei) und sechs Jahren wissen ganz genau, dass sie im „normalen Kindergartenablauf“ fließend Deutsch spricht, das Prinzip „Eine Person – eine Sprache“ wird also nicht angewendet. Und obwohl die vierzigjährige Pädagogin stets versucht, den Kindern englische Begriffe aus dem Kontext heraus zu erklären, wechselt sie auch schon mal ins Deutsche, wenn es mit der Verständigung nicht klappen will.

"Show me the bear!" © by Tina Denda.

Kinder sind konzentriert dabei

Dem Spaß an der englischen Sprache tut das keinen Abbruch. Und dabei ist es egal, ob es um das Thema „Engel“ wie in der Weihnachtszeit oder wie im Moment um die kalte Jahreszeit geht. Schon die Kleinsten ( 2- 3 Jahre) lauschen gespannt dem englischen Wintermärchen „The mitten“ - „Der Fäustling“. Anuschka Gresbek wird zum „storyteller“ - Geschichtenerzähler: Mit ausdrucksstarken Gesten, deutlicher und langsamer Aussprache erzählt sie das frostige „fairytale“ - Märchen, sagt laut: „It`s cold“ und umarmt sich selber, erzählt vom „big bear“ und wirft die Arme dabei nach oben oder zeigt kleine Schaubilder im Kreis herum, auf denen die einzelnen Tiere der Geschichte abgebildet sind. Sie setzt auf Wiederholungen, um das Gehörte bei den Kleinen zu vertiefen. Anschließend müssen die Kinder aktiv werden. „Show me the bear“, fordert sie ein Mädchen auf. Die Kleine versteht die Aufforderung und sucht den Bären aus den auf dem Boden liegenden Schaubildern heraus und legt ihn auf das große Bild eines Waldes. „The snow is falling“, sagt Gresbek, und die Kinder lassen „Schneeflocken“ aus Papier auf das Blatt herunter rieseln.

"Do you speak english?" - "Yes, we do!" © by Tina Denda.

Englischangebot wird je nach Alter der Kinder variiert

Mittendrin im Geschehen sind die beiden Sprechpuppen Sofie und Felix. Hier wird das Prinzip „Eine Puppe, eine Sprache“ umgesetzt: Die beiden Figuren mit den pfiffigen Gesichtern sprechen nur Englisch und sind bei den Kindern beliebt. Wenn es sich ergibt, „ergreifen“ sie das Wort und vertiefen das Englische. Und je älter die Kinder sind, desto mehr baut Anuschka Gresbek das Angebot aus, auch was die Zeit betrifft. So dauert das Englisch-Projekt für die Kleinsten etwa 25 Minuten, für die Mittleren 35 und bei den Sechsjährigen sind es fast 50 Minuten, in denen das Englische die Hauptrolle spielt.

Richtig oder falsch - das ist hier die Frage! © by Tina Denda.

Requisiten spielen eine große Rolle

Einfallsreichtum ist dabei sehr wichtig. So erzählt Anuschka Gresbek den älteren Kindern ebenfalls das englische Märchen, flicht dabei aber ab und zu falsche englische Begriffe mit ein. Nach jedem Satz macht sie eine Pause. Und die Kinder sollen entscheiden, ob das, was sie erzählt hat, richtig oder falsch war. Dazu halten die Jungen und Mädchen ein Schild in der Hand: Dessen eine Seite zeigt ein lachendes (= richtig erzählt) Gesicht, die andere ein mißmutiges (=falsch erzählt). Für manche der Kinder ist diese Aufgabe noch zu schwer, doch bei Einigen ist zu spüren, dass sie die Geschichte mittlerweile so gut kennen, dass sie richtig und falsch unterscheiden können. Wieder und wieder lobt Anuschka Gresbek die Kinder: „Good job“ oder „Well done.“ Nach dieser schweren Aufgabe wird erst einmal gesungen und getanzt: Das Lied der Schneeflocken lockert die Muskeln und bringt allen viel Spaß. Danach legt Gresbek Bilder auf den Fußboden: Darauf abgebildet sind Fäustlinge in verschiedenen Farben. Die Pädagogin fordert die Kinder auf, die blauen, roten oder braunen Fäustlinge zu nehmen und sie an eine Wäscheleine zu hängen. „Not the green one, take the blue mitten“, hilft Gresbek nach, wenn es mit der Farbauswahl nicht so recht klappen will. Und die Kinder helfen sich auch gegenseitig: „Nein, das ist doch nicht red, sondern pink“ oder „Das ist brown, nicht white“, rufen die Vorschulkids durcheinander.Zum Schluß wird nochmals gestenreich ein Lied gesungen, und dann endet das Englisch-Angebot für diesen Tag.

Ein starkes Team: Ulrike Krämer und Anuschka Gresbek.© by Tina Denda.

Viel Gesang, Spiel und Spaß

„Mir ist es wichtig, dass die Kinder Spaß an der Sache haben“, betont Gresbek. Und damit das so ist und bleibt, recherchiert sie im Internet unter Adressen wie www.englishbox.de nach Liedtexten und Geschichten, bastelt Schaubilder, erfindet Spiele, gestaltet Themenreihen. „Wir haben natürlich auch Glück, weil die Zusammensetzung der Kindergarten-Gruppen sehr homogen ist“, gibt Ulrike Krämer zu bedenken. Und die Erzieher üben keinen Druck auf die Kinder aus. Wer nicht mitmachen will beim Englisch-Projekt, darf stumm danebensitzen. „Das ist für mich vollkommen okay“, unterstreicht Anuschka Gresbek. „Und ich habe den Eltern vor dem Start des Projektes klar gesagt: Ich mache das nicht, um Ihren Kindern Englisch beizubringen.“ Nicht der Spracherwerb stehe im Vordergrund bei der ganzen Sache, sagt auch Kita-Leiterin Ulrike Krämer. Vor allen Dingen wolle man die Neugier der Kinder auf die englische Sprache und Kultur wecken und ihre Weltoffenheit und Toleranz gegenüber Anderen fördern. Perfektionismus ist dabei nicht gefragt. So hört man Anuschka Gresbek durchaus an, dass sie keine englische Muttersprachlerin ist. „Aber das ist egal“, findet Ulrike Krämer, „das, was wir mit unserem Projekt wollen, erreichen wir trotzdem.“

Angedacht: Ausbau des Projektes

Die Eltern selber freuen sich über das englische Angebot in ihrer Kita. „Zu Weihnachten haben wir zum Beispiel gemeinsam ein englisches Lied gesungen und ein dreijähriges Mädchen hat ein englisches Gedicht vorgetragen. Da waren die Eltern schon sehr stolz und auch verwundert, wie gut das klappt“, erzählt Ulrike Krämer. Und in Zukunft wird das englische Angebot vielleicht auch noch weiter ausgebaut. „Wenn es weiter so gut läuft, ist das schon denkbar“, so Leiterin Ulrike Krämer. Und als ob es ihre Worte unterstreichen wollte, donnert in diesem Moment wieder ein Flugzeug ab in ferne Länder. Dorthin, wo Spanisch, Französisch und auch Englisch gesprochen wird.

Stand: 07. Februar 2007

Christine Denda hospitierte in der Evangelischen Tagesstätte "Unter dem Regenbogen" in Düsseldorf für die Gingko-Foundation.

[Download:Unter dem Regenbogen]

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