Von Sprachgefühl und Grammatik

Bilingualer Unterricht am Gymnasium

Interview mit Sylvia Gilbert, Lehrerin für Englisch und Erdkunde und Koordinatorin des bilingualen Zweigs am Ceciliengymnasium in Düsseldorf/ Niederkassel

Das Städtische Ceciliengymnasium hat einen bilingualen Zweig. Was bedeutet das?

Die Kinder, die am bilingualen Zweig teilnehmen, haben im 5. und 6. Schuljahr zwei zusätzliche Stunden Englisch in der Woche, also insgesamt 6 Wochenstunden Englisch. Ab der 7. Klasse werden neben dem Sprachunterricht auch Sachfächer auf Englisch unterrichtet. Wir beginnen mit Geografie, in der Mittelstufe kommen Geschichte und Politik dazu. Seit dem vergangenen Schuljahr haben wir naturwissenschaftliche Module eingeführt, dabei werden die Schüler und Schülerinnen in Chemie, Biologie und Mathematik über einen Zeitraum von mehreren Wochen auf Englisch unterrichtet.

Wie viele Kinder nehmen am bilingualen Zweig teil?

Das Angebot wird sehr gut angenommen, mittlerweile sind es rund 66 Prozent, Tendenz steigend.

Welche sprachliche Qualifikation haben die Lehrer, die z.B. Geografie auf Englisch unterrichten?

Die Lehrer, die ein Sachfach bilingual unterrichten, sind auf jeden Fall immer auch Fachlehrer für Englisch, von daher haben alle die entsprechende sprachliche Qualifikation.

Welches sprachliche Niveau erreichen die Schüler des bilingualen Zweiges?

Mit dem Abitur haben sie ein fast muttersprachliches Niveau erreicht. Das bedeutet, sie können Englisch nicht nur verstehen und sich ausdrücken, sondern auch komplexe Sachverhalte erläutern, diskutieren, und sind bestens vorbereitet, um englischsprachige Fachliteratur beispielsweise an der Universität zu lesen.

Welche Rolle spielen die Englischkenntnisse, die die Kinder in NRW seit einigen Jahren in der Grundschule ab der 3. Klasse erwerben?

Die Kinder haben einen großen Wissenstand beim Vokabular, sie kennen viele Wörter, und das ist ein großer Vorteil. Bei der Schriftsprache wird es etwas problematischer, und auch mit Grammatik könnte man meiner Ansicht nach ruhig früher beginnen. Das kann auch spielerisch und kindgerecht passieren: Zum Beispiel gibt es in der Montessoripädagogik Materialien zum Selbstlernen. Dabei werden geometrische Formen den Elementen im Satz zugeordnet. Wenn Englisch im kommenden Schuljahr in NRW ab der ersten Klasse unterrichtet wird, sollte man ruhig noch stärker drauf achten, auch Grammatik und Rechtschreibung zu vermitteln.

Wie sinnvoll ist in Ihren Augen Englisch im Kindergarten? Was bringt es überhaupt so früh mit Englisch anzufangen?

Sehr viel, und ich halte das für sehr sinnvoll! So können die Kinder ein Sprachgefühl entwickeln, was sich auf einer kognitiven Ebene schlecht vermitteln lässt. Sie bekommen auch ein anderes kulturelles Verständnis, wenn sie nursery rhymes oder traditionelle Feste kennen lernen. Das ist eine emotionale Ebene der Sprache, auf der das eher Rationale dann aufbauen kann. Insofern halte ich solche Projekte für sehr wertvoll.




Stand: 28. Oktober 2007

Das Interview mit Silvia Gilbert führte Elisabeth Herles für die Gingko-Foundation.

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