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„Die Kinder sind wirklich immersed“
Interview mit Jean Ochs
Hat sich das Projekt bisher so entwickelt, wie Sie es erwartet hätten? Ja in der Tat! Es läuft sogar noch viel besser. Die Kinder haben meine Anwesenheit in der Gruppe sehr schnell akzeptiert und waren deshalb sehr schnell in der Lage, viel Neues zu lernen. Die Kinder spüren auch, dass ich gut integriert im Team mit meinen Kolleginnen arbeite. Auch in den anderen beiden Gruppen, wo ich jeweils eine Stunde in der Woche bin, sind die Kinder sehr offen, begrüßen mich morgens mit „Good Morning“ und sind sehr stolz auf die paar Worte Englisch, die sie schon kennen. | |
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Sie haben bereits Erfahrung mit Englischkursen am Nachmittag- welche Unterschiede
gibt es zu Ihrer Arbeit hier in der Kita?
Es ist natürlich ein anderes Lernen. Die Kinder hier sind wirklich immersed, also eingetaucht in die englische Sprache. Sie hören kein einziges deutsches Wort von mir, und das ist bei den Kindern in meinen Nachmittagskursen natürlich anders. Das macht das Projekt hier zu einer größeren Herausforderung für mich und die Kinder. Aber durch diese Methode lernen die Kinder auch mehr, was wir nur jetzt noch nicht bemerken. Das dauert wahrscheinlich noch einige Monate, bis sie auch aktiv den Wortschatz anwenden, den sie jetzt schon kennen. Das ist vielleicht manchmal frustrierend für die Eltern, falls sie erwarten, dass ihre Kinder viel mehr sprechen sollten, und diese es dann nicht tun. Sie speichern Alles ab, und dann plötzlich kommt es heraus. Oder wenn sie in der Schule mit Englisch anfangen, werden sie im Vergleich zu ihren Klassenkameraden merken, wie viel sie schon können, und werden wahrscheinlich sehr stolz darauf sein. | |
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Wie reagieren die Kinder auf das Englische? Gibt es Unterschiede zwischen
Jungen und Mädchen oder älteren und jüngeren Kindern?
Es gibt Unterschiede. Generell kann man sagen, dass die Mädchen unmittelbarer interessiert sind. Und die Jungs lernen mehr im Hintergrund. Die Mädchen kommen zu mir und fragen mich “Wie sagt man Pferd auf Englisch?”, sie möchten wirklich den direkten Kontakt. Und die Jungen bekommen das im Hintergrund mit und fangen auf einmal auch an horse, horse zu singen, aber sie fragen nicht so direkt. Und manchmal lachen sie auch über einzelne Worte, die ich sage, die klingen dann wohl komisch in ihren Ohren. Ich habe damit kein Problem, ich denke mir, wenn sie darüber lachen können, behalten sie sie vielleicht leichter. Aber jetzt fangen die Vorschul-Jungs wirklich an, sich auf das Englische einzulassen. Ich glaube, die fanden das am Anfang vielleicht nicht so cool, aber seit ich mit ihnen Fußball gespielt habe, haben sie wahrscheinlich gemerkt, dass ich nicht so uncool bin. (Jean Ochs lacht) Ist dieses Fragen nach Übersetzungen etwas, was Sie von Ihren Kindern aus den Nachmittagskursen kennen? Normalerweise sagt man, dass Kinder erst so ungefähr im Alter von sechs Jahren nach direkten Übersetzungen fragen. Und hier im Kindergarten ist mir aufgefallen, dass sogar schon bei den ganz jungen Kindern das Interesse in einem solchen Maß geweckt wurde, dass sie ganz wissbegierig sind und fragen „wie sagt man Tier auf Englisch“. Und das ist ungewöhnlich. Die Kinder in meinen privaten Nachmittagskursen fangen erst im Altern von fünf oder sechs an nach Übersetzungen zu fragen, und hier tun das schon die Dreijährigen. | |
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Haben Sie schon einmal bemerkt, dass die Kinder das Englische in ihr eigenes
Spiel untereinander integrieren?
Noch nicht wirklich. Mir ist schon einmal aufgefallen, wie Kinder miteinander spielten, und dann Geräusche machten, mit denen sie meinen Tonfall aufnahmen, so ein Singsang, das nach Englisch klingen soll. Können Sie noch etwas aus dem Nähkästchen plaudern? Die Kinder sind so verschieden. Ein Junge sagt immer „ich spreche kein Englisch, ich verstehe kein Englisch“ und hat noch gar nicht bemerkt, dass er mich versteht, wenn ich ihm auf Englisch etwas sage oder ihn bitte etwas zu tun. Er lehnt mich nicht ab, er bleibt einfach dabei, dass er kein Englisch spricht. (Jean Ochs schmunzelt). Und ein anderer Junge hat mich zwar als Person nie abgelehnt, aber hat auch nie mit mir ein Wort Englisch geredet und nie ein Spiel mit mir gespielt. Allerdings stand er manchmal am Tisch dabei und beobachtete, wenn ich mit anderen Kindern spielte. Und diese Woche saßen wir am Frühstückstisch und zum ersten Mal hat er mich angesprochen und fragte „ wie sagt man Pferd auf Englisch?“ Ich gab ihm die Antwort horse . Als nächstes fragte er „Wie sagt man Tisch auf Englisch?“ und dann hörte er gar nicht mehr auf. Offensichtlich ist er einfach ein wenig schüchtern und brauchte seine Zeit, um sich an Alles zu gewöhnen. Heute Vormittag gab es ja auch wieder ein schönes Erlebnis beim Frühstück ... Ja, genau. Wir haben Lunas sechsten Geburtstag gefeiert. Ich bin herumgegangen und habe den Kindern Kuchen angeboten. „Would you like some more chocolate cake?“ Am Tisch saß auch Nick, der am Anfang sehr interessiert war und auch jeden Morgen Good Morning Mrs Ochs sagt, und der in der letzten Zeit eher wenig Interesse an Englisch hatte. Heute aber antwortete er auf meine Frage, ob er noch Kuchen haben möchte „A little bit“. Er fängt jetzt an, kurze Standardformulierungen aufzugreifen. Ein anderer Satz, den er neulich gebraucht hat, ist „she’s a good girl“. Es bleibt einfach spannend, und jeden Tag stelle ich fest, dass sich einzelne Kinder immer weiter auf das Englische einlassen. Das ist das Schöne an diesem Projekt, dass jedes Kind individuell Zeit dafür hat. Stand: 8. Dezember 2006 Das Interview führte Elisabeth Herles für die Gingko-Foundation auf Englisch. Es wurde ins Deutsche rückübersetzt. [Zurück zu Logbuch-7-] [Weiter zu Logbuch-9-] [Zurück zur Logbuch-Übersichtsseite] |
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